Fotos korrekt belichten mit einer Graukarte

In einem früheren Beitrag habe schon ich etwas über den manuellen Weißabgleich in der RAW-Fotografie geschrieben. Doch eine Graukarte kann nicht nur für den Weißabgleich benutzt werden, sondern auch dazu dienen, Dein Foto korrekt zu belichten.

Was ist die Graukarte genau?
Die Graukarte ist ein genormtes Hilfsmittel aus Pappe, Stoff oder Kunststoff und so beschaffen, dass exakt 17,68% des einfallenden Lichts reflektiert werden. Dieser Wert darf aber nicht mit der tatsächlichen grauen Farbe der Karte verwechselt werden. Diese liegt vielmehr exakt im mittleren Bereich, was einem Wert von 127 im Histogramm (siehe auch "Das Histogramm verstehen") entspricht.

Was ist das Problem der Belichtungsmessung der Kamera?
Vereinfacht gesagt benutzt die Kamera den oben erwähnten Grauwert mit ca. 18% Reflexion als Referenzwert um das Bild zu belichten, ganz egal wieviel Licht tatsächlich von den eingemessenen Bereichen reflektiert wird. Dies führt vor allem bei sehr hellen bwz. sehr dunklen Motiven zu falschen Belichtungen.

In der Praxis bedeutet dies:

  • Wird eine Belichtungsmessung an einem schwarzen Gegenstand durchgeführt und ein Foto geschossen, so wird die Kamera eine Verschlusszeit wählen, die diesen Gegenstand grau abbilden wird. Das Foto ist also überbelichtet.
  • Fotografiert man hingegen eine weiße Wand, wird die Belichtungszeit unter gleichen Bedingungen deutlich kürzer ausfallen. Auch hier wird die Wand grau im Bild dargestellt werden. Es liegt also eine Unterbelichtung vor.

Wie kann diese Problematik behoben werden?
Hier kommt die Graukarte ins Spiel. Da der Grauwert den die Kamera erwartet mit dem der Graukarte übereinstimmt, kann eine korrekte Belichtungsmessung durchgeführt werden. Die Kamera bekommt also genau den Grauwert vorgesetzt, den sie tatsächlich erwartet.

Wie funktioniert die Belichtungsmessung genau?
Neben der Graukarte benötigt man noch eine Kamera, die dazu in der Lage ist, eine Belichtungsmessung durchzuführen. Dazu wechselst Du am besten in die Blendenvorwahl (bzw. Zeitautomatik) Deiner Kamera, stellst Blende und ISO-Wert ein und wählst als Messmethode die Spotmessung aus.

Nun nur noch die Graukarte an der Stelle platzieren an der tatsächlich gemessen werden soll (z.B. kann das Model die Graukarte direkt vor das Gesicht halten). Anschließend mit der Kamera eine Spotmessung durchführen und die ermittelte Verschlusszeit sowie Blende und ISO-Wert auf den manuellen Modus übertragen.

Hinweis
Bei Shootings im Freien muss in regelmäßigen Abstanden erneut gemessen werden, da sich die Lichtsituation mit fortschreitender Zeit mit ziemlicher Sicherheit verändern wird. Deshalb sollte immer das Histogramm im Auge behalten werden. Dies gilt auch, wenn das Shooting auf einen anderen Standort verlagert wird, da ein Locationwechsel unter Umständen auch immer andere Lichtbedingungen mit sich bringt.

Du siehst also, die Belichtungsmessung mit einer Graukarte ist eine relativ unkomplizierte und vor allem kostengünstige Möglichkeit korrekt belichtete Fotos zu bekommen. Es empfiehlt sich, dieses Hilfsmittel immer in die Fototasche zu packen. Nicht zuletzt, da mit den meisten Graukarten auch zusätzlich noch ein Weißabgleich gemacht werden kann.

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